"Huppsalla, was hat denn die Alte für ne Frisur?"

Jennifer Rostock bei der Echo 2009 Verleihung

So oder irgendwie ganz anders waren unsere Gedanken als Jennifer frisch vom Stylisten verputzt aus dem Taxi stieg, natürlich zu spät. Also sie, nicht die Gedanken. Und Alex auch, ebenfalls natürlich.

Ging ja auch um nichts. Oder um Alles. Wie man's will. Empfang der Plattenfirma, zur Einstimmung auf die Echo-Verleihung, ist ja schließlich jedes Jahr. Nur war es diesmal unser erstes. Aber unser Zu-spät-Kommen fiel zum Glück Niemandem so wirklich auf, obwohl wir uns ausnahmsweise mal rausgeputzt hatten wie die Eisbären. Verzweifelte Tage auf der Suche nach dem passenden Outfit lagen hinter uns, die Kreditkarten ratterten, die Stylingberater (wir haben uns WIRKLICH mal was gegönnt, ja!) standen mit einem Bein gefährlich nah am Wahnsinn. Aber whatever, es ging ja nun erstmal ums Einstimmen, und gerüchteweise können wir das ganz gut. Das Personal des Regent-Hotels konnte die Prosecco-Tabletts gar nicht schnell genug nachfüllen, da waren sie schon wieder leer. Baku möchte sich an dieser Stelle nochmal für die Crème brûlée bedanken, die fand er wirklich... ähhh... FETTGEIL!

Nach kurzer Ansprache und ausgiebiger Beschlagnahmung der Raucherecke (die Labelkollegen auch zur Benutzung von "Sportzigaretten" missbrauchten), wurden wir auch schon gen roten (in diesem Falle lila) Teppich geshuttlet. Hier begannen auch schon die ersten Komplikationen: Abgesehen davon, dass wir drinnen nicht rauchen durften, waren auch die Einweiser rund um die O2-World nur semioptimal gebrieft, so dass wir erstmal einige Male wirr um eben jene geschickt wurden, bis es endlich ans Posieren gehen durfte. Aber wie gesagt, noch nicht das letzte Mal, dass wir und das Personal der Veranstaltung missverständlich aneinander gerieten.

Also, raus aus dem Van, zack auf den lila Teppich. Mal wieder gar nicht so einfach wie gedacht. Bevor es zu den Fotografenmassen ging, waren da erstmal die Autogrammjäger. Und nun? Rockstarmäßig ignorieren, in der Hoffnung damit den eigenen Wert in astronomische Höhen zu lügen, oder lieber volksnah ins Fangetümmel (ja, wir wurden sogar erkannt, schau einer an!)? Wir entschieden uns für eine etwas unausgegorene Zwischenlösung und sämtliche Professionalität war mal wieder in Sekunden futsch. Macht nix, nun folgte ja auch die Kür: Wild keifende Fotografen und Kamerateams, jeder wollte irgendwas anderes, absurdeste Wünsche nach Posen und Blickrichtungen zischten an uns vorbei, und im Endeffekt blieb uns nur verwirrtes Dummgucken. (Natürlich haben wir uns am Folgetag selbst gegoogelt, ein paar Schnappschüsse sahen dann doch nicht so dämlich aus.) Wir lernen halt noch! Jeden Tag auf ein Neues! Die Evolution sucht noch nach unserer medialen Nische!

Endlich drinnen im Warmen (es war wirklich arktisch draußen) wurden wir noch halbwegs koordiniert zu unseren Luxusplätzen im Innenraum gelotst. Da gab's nicht viel zu meckern. (Nur schon wieder Rauchverbot!) Außer vielleicht... ja, wo waren eigentlich die Getränke? Da noch genug Zeit bis zum Beginn der Show blieb, machten wir uns auf die Suche nach Sektchen. Kann ja nicht so schwer sein. Die nachfolgende Stunde an dieser Stelle im Detail aufzuarbeiten wäre völlige Zeitverschwendung. Wenn sich jemand an den Asterixfilm und den Gang durch das Beamtengebäude erinnert, der weiß so circa was uns wiederfuhr. Verstärkt wurden wir dabei von irgendjemanden von "Unter Uns", dem es nicht besser erging als uns. Trotz seines höheren Prominentenstatus. C statt P oder so. Jedenfalls fand er uns "knuffig", genau das Image an dem wir seit Jahren so hart arbeiten! Egal, irgendwann hatten wir jeder einen Sekt, also ab dafür!

Die Show an sich verfolgten wir mit gemischten Gefühlen. Einerseits Liveauftritte von U2, Katy Perry, Stefanie Heinzmann und anderen, seit Jahrzehnten fest etablierten Musikgrößen, gute Atmosphäre und teilweise pompöse Showeffekte, anderseits eine sehr fragwürdige Moderation (nicht nur des 20ten Aprils wegen, Pochers ständiges Rumgedisse langweilte schon nach einer Viertelstunde), stundenlanges Gesitze und NICHTS ZU TRINKEN!

Schau an, aber da war ja noch was! Aftershowparty! Gerüchteweise können wir das ja ganz gut. Mit dem festen Vorsatz, diesmal niemanden zu beleidigen oder uns anderweitig zum Klops zu machen, stürzten und stolperten wir (es war WIRKLICH arktisch draußen) in den benachbarten Postbahnhof. 2 Etagen voller Freischnaps und Freihäppchen, X- und Y-Promis, Hinnerk und Fork, superduper, dafür macht man den Job! Alle Helden unserer Jugend inklusive! Scooter, Blümchen, Captain Jack (der Neue), dazu noch jede Menge willige Mädchen ohne jede offensichtliche Funktion, die nur abholbereit in irgendwelchen Ecken saßen, "to go" scheinbar, oder wie man das heutzutage nennt. Toll! Allerdings war dann der Schnapsstand doch wichtiger. Es wurden einige Smalltalks gemauschelt, Gerüchte verbreitet, alte Tourbekanntschaften mit Madsens, Die Happies, Revolverhelds, Radiopilots etc. aufgegart, alles in allem ein gesunder Abschluss, bis dann die Nachricht die Runde trübte, dass Sebi von Deichkind am Tag vorher gestorben war. Daher an dieser Stelle herzliches Beileid allen seinen Freunden und der Familie. Nun also Schluss mit lustig und bis bald.

The Rostocks

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02.01.2012 - 22:36
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